Zivilgesellschaftliche Teilhabe sichern! Schelling unterstützt offenen Brief an die GLS-Bank

In ihrer Sitzung vom 08. Januar 2026 hat die Vollversammlung der Schelling beschlossen, den untenstehenden offenen Brief an die GLS Gemeinschaftsbank eG zu unterzeichnen. Die GLS hatte im Vorfeld mehreren linken Organisationen wie der Roten Hilfe, der DKP und dem Anarchist Black Cross Dresden die Konten gekündigt.

Die Schelling ist selbst Kundin und Genossenschaftsmitglied bei der GLS.

Im Folgenden findet sich der offene Brief, der unter debankingstoppen.de/offener-brief/ von jeder Person und Organisation – ob Kund*in oder nicht – unterzeichnet werden kann.


Haltung zeigen, zivilgesellschaftliche Teilhabe sichern:

Wir fordern die Rücknahme der Kontokündigungen von antifaschistischen Organisationen!

Sehr geehrte Aysel Osmanoglu, sehr geehrter Dirk Kannacher,
sehr geehrte Mitglieder von Vorstand und Aufsichtsrat der
GLS Gemeinschaftsbank eG,

mit Schrecken haben wir die Kündigung von Konten mehrerer zivilgesellschaftlicher Organisationen durch unsere Bank zur Kenntnis genommen.

Nach Veröffentlichung Ihrer Stellungnahme vom 24.12.2025 möchten wir uns als Netzwerk von Genossenschaftsmitgliedern, Kund*innen und solidarischen Personen an Sie wenden, um deutlich zu machen, dass durch dieses Vorgehen ein drastischer Vertrauensverlust in unsere Bank droht.

Für betroffene Organisationen wie die Rote Hilfe e.V., die DKP und das Anarchist Black Cross Dresden bedeutet der Verlust des Bankkontos nicht nur einen „sehr harten Einschnitt“ (gls.de/stellungnahme), sondern die Bedrohung ihrer Existenz. Ohne Bankkonto wird die politische und zivilgesellschaftliche Teilhabe von Organisationen und Einzelpersonen grundlegend eingeschränkt oder sogar gänzlich verunmöglicht.

In Ihrer Stellungnahme deuten Sie darauf hin, dass Ihrer Entscheidung eine rein administrative Risikoabwägung zugrunde lag. Die Beendigung einiger weniger Geschäftsbeziehungen, die als „Risiko“ bewertet werden, sei im Interesse aller anderen zu verstehen. Dem wollen wir entschieden widersprechen.

Denn was macht eine Geschäftsbeziehung dieser Tage zu einem „Risiko“? Organisationen wie die Rote Hilfe e.V. haben ihr Ziel und ihr Tun nicht verändert. Auch ihr rechtlicher Status hat sich nicht geändert. Was sich verändert hat, sind politische Realitäten, in denen zivilgesellschaftliche Organisationen „zunehmend angefeindet oder sabotiert“ werden. Dabei zie‐ len „Strategien, die faschistische Gruppen untereinander austauschen“, darauf, nicht nur explizit antifaschistische, sondern alle demokratischen Organisationen zu delegitimieren. Sich diesen Strategien aus vorauseilendem Gehorsam zu beugen, löst das Problem nicht auf, sondern verschärft es im Gegenteil weiter. Die Frage lautet dann: Wen trifft es als nächstes?

Wir als Mitglieder und Kund*innen der GLS Gemeinschaftsbank eG möchten unserer Bank den Rücken stärken, damit sie Haltung zeigen und für eine aktive Teilhabe ihrer Kund*innen an der Zivilgesellschaft eintreten kann. Wir sind der Ansicht, dass die GLS ein Risikomanagement benötigt, das die Waage hält zwischen dem Abwehren von Risiken für die Bank insgesamt und dem Eingehen von Risiken im Interesse der Demokratie.

Daher fordern wir Sie auf, die Geschäftsbeziehungen mit den betroffenen Organisationen fortzuführen bzw. wieder aufzunehmen. Wir fordern darüber hinaus, dass die bereits begonnenen Gespräche zwischen betroffenen Organisationen, engagierten Genossenschaftsmitgliedern und Ihnen als Vorstand und Aufsichtsrat fortgesetzt werden, um gemeinsam Lösungen zu finden, wie solche Kontokündigungen in Zukunft verhindert werden können. Mit bereits
jetzt über 200 aktiven Mitgliedern behalten wir uns vor, bei Bedarf die Einberufung einer außerordentlichen Generalversammlung zu verlangen.

Was auf dem Spiel steht, ist das Fortbestehen zivilgesellschaftlicher Initiative. Wir bitten Sie eindringlich, diese Gefahr ernstzunehmen.

Mit freundlichen Grüßen

Robin Wood e.V. – Gewaltfreie Aktionsgemeinschaft für Natur und Umwelt
Flüchtlingsrat Niedersachsen e.V.
Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschist:innen
(VVN-BdA)
Gesundheitskollektiv Göttingen e.V.
Lagergemeinschaft Ravensbrück / Freundeskreis e.V
Moviemiento e.V.
KoLa Leipzig eG – Kooperative Landwirtschaft
Netzwerk Erinnern, Verändern, Aufklären (NEVA) e.V.
Ende Gelände
AHOI! Jugendhilfe gGmbH
Berliner Obdachlosenhilfe e.V.
GEW Hamburg
Allianz für Kritische und Solidarische Wissenschaft e.V. (KriSol)
Wir packen’s an e.V.
Sea Punks e.V.
Mein Grundeinkommen e.V.
Bündnis gegen Rechts in Darmstadt
Die Linke LV Hamburg, KV Braunschweig und Bochum
… und viele weitere …

Alle Unterschriften sind hier zu finden:
debankingstoppen.de/offener-brief/